Leises Aufbrummen aus der Bienenkiste

Der Stein des Anstoßes: Zwei Bienenkisten

Der Stein des Anstoßes: Zwei Bienenkisten

In der Juliausgabe der Imkerzeitung „Die neue Bienenzucht“ schrieb Alfred Schade aus Tornesch einen Artikel über die Bienenkiste (1). Natürlich provoziert er eine Antwort von jemandem, der seit Jahren mit der Bienenkiste arbeitet und ihr unendlich viel verdankt. Und der zwischenzeitlich beim Lesen dachte: Über welche Bienenkiste schreibt der Autor da eigentlich?

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Verwirrt lege ich meine Bienenzeitung zur Seite. Ich versuche, meine Gedanken zu sortieren. Weiß der Autor überhaupt, worüber er schreibt? Hat er jemals probiert, mit einer Bienenkiste zu imkern? Einzelne Details zeigen, dass dies anscheinend nicht der Fall ist. Woher also das Urteil?

Und: Wieso gerät der Autor – immerhin ein erfahrener Imker – in eine so emotionale Verteidigungshaltung? „Freizeit-Bienenhaltung mit der Bienenkiste“ heißt doch nicht automatisch, dass alles andere Imkern keine Freizeit mehr ließe? Dass etwas weiß ist, bedeutet doch nicht, dass alles andere schwarz sein muss! Ich kenne bei den Bienenkistenimkern eine solche apologetische Haltung nicht.

Und schließlich: „Wundern kann man sich nur über Imkervereine, Verbände und Imker, die diese Bienenhaltung tolerieren.“ – Tja, ich wäre wohl kein Imker mehr, wenn die Mitglieder meines Vereins (Uetersen und Umgebung) mich als Bienenkisten-Imker nicht neugierig und interessiert zugleich begleitet hätten.

Am Anfang war die Bienenkiste

Zu mir: Ich habe mein Leben lang eine große Nähe zur Bienenhaltung. Allerdings hatte ich auch einen sehr guten Freund, der mit großer Leidenschaft seine rund 20 Bienenvölker betreute – auf konventionelle Art. Sein regelmäßiger Satz „Nein, in Urlaub fahren kann ich im Sommer nicht, da sind die Bienen dran“ hielt uns lange vom eigenen Imkern ab. Dann kam die Bienenkiste, und mit ihr – ja, internetbasiert – eine sehr fundierte Anleitung zur Arbeit damit (wenn es das doch nur auch in der konventionellen Imkerei gäbe – wobei ich nach fünf Jahren Bienenhaltung daran zweifle, ob es diese überhaupt gibt; vier Imker, zehn Meinungen).

So begannen wir 2013 mit dem Einlauf eines Schwarms in sein neues Zuhause, eine Bienenkiste – und es wurde für uns zu einer Erfahrung, die die Liebe zu den Bienen erst so richtig entfachte – und damit die intensive Beschäftigung mit der Imkerei. Und – auch dies war in der Tat ein Argument: keine Schleuder, keine massenhaften Rähmchen, kein Trafo, keine zusätzlichen Zargen – ein klares finanzielles Argument.

Im Brutraum: nur dezente Vorgaben an den Leisten, ansonsten Naturbau

Im Brutraum: nur dezente Vorgaben an den Leisten, ansonsten Naturbau

Dass Bienen nicht unbedingt eine bestimmte Form der Beute bevorzugen, hat unter anderem immer wieder Thomas Seeley wunderbar beschrieben (2). Und dass – bei entsprechender Isolierung – die Wärme, wenn sie nicht nach oben steigen kann, sich auch horizontal ausbreitet, ist ein Gesetz der Physik. Und – hatten nicht schon die Ägypter in waagerechten Tonnen geimkert?

Bei der Beschreibung der Honigernte musste ich dann allerdings doch sehr schmunzeln. Der Autor hat wohl in der Tat noch nie mit einer Bienenkiste geimkert. Verklebte Bienen sind bei mir ebenso wenig vorgekommen wie abgebrochene Waben. Und, wenn ich dies noch sagen darf, die Waben werden nicht herausgeschnitten, sondern an ihren Leisten entnommen. Auch die Honiggewinnung ist ein Spaß – man ist direkt dabei und wird kreativ. Der Honig wird ausgepresst, ja, genauso wie bei vom Autor des Artikels so benannten Steinzeitmenschen, die es bekanntlich ja noch so lange in unseren Landen gab, bis Franceso de Hruschka 1865 seine Honigschleuder vorstellte (3). Und die Futterkontrolle geht wunderbar einfach mit einer Kofferwaage – weil die Kiste ja waagerecht steht. Und die Varroabehandlung mit dem Nassenheider Verdunster hat Bruno Becker schon lange vor der Bienenkiste erfunden (4). Und, und, und …

Keine teure Schleuder braucht man zum Pressen

Keine teure Schleuder braucht man zum Pressen

Mein Dank an die Bienenkiste

Was ich meinen Bienenkisten bis an mein Lebensende verdanken werde, ist der Einstieg in die Imkerei. Bekommt je ein Zargenimker eine Ahnung von dem beeindruckenden Anblick des gesamten Bien? Es ist beeindruckend und unendlich lehrreich, wenn man nicht nur ein Scheibchen davon sieht, sondern das Gesamt. Und wenn ich heute bei meinen Zargenvölkern, nachdem ich die Bienenflucht eingesetzt hatte, die Honigzargen abnehme und zum Schleudern bringe, dann ist das wunderbar bequem – aber ich vermisse ein bisschen dieses Urgefühl, dass ich inmitten einer Wolke von Bienen eigentlich ein Honigräuber bin (wie der Bär), und nicht nur ein routinierter Weiterverarbeiter. Ich fand diesen Einstieg als Neuimker für mich persönlich ganz hervorragend.

Unten Naturwabenbau, oben im Honigraum Mittelwände an mobilen Leisten

Unten Naturwabenbau, oben im Honigraum Mittelwände an mobilen Leisten

Und was ich daraus lerne

Ja, ich bin mittlerweile auch bei der Zargenimkerei angelangt. Die Kosten waren nicht das Argument. Die liegen nicht entscheidend unter der der Bienenkiste – zumindest, wenn man natürliches Material benutzt – wie die Bäume aus Holz. Dass es gut ist, sich daran zu orientieren (jedenfalls für mich), da stimme ich dem Autor aus ganzem Herzen zu.

Kritisch war für mich – und zwar ganz persönlich – die Möglichkeit, bei Schwierigkeiten sich das Wabenwerk anzuschauen. Die Brutwaben hängen zwar an mobilen Leisten, aber diese sind doch relativ fest installiert. Erfahrene Bienenkistenimker können zwischen die Waben schauen, ich konnte es nicht.

Mein persönliches Fazit

Was ist nun naturnah? War es nicht Gerhard Liebig, der sagte, die Naturnähe der Imkerei entscheidet nicht die Art der Beute, sondern die Art, wie der Imker arbeitet (4)?

Daher: Liebe Imkerkolleginnen und -kollegen, wer naturnah imkern möchte, sollte schauen, was er/sie selber macht. Darauf, wo er/sie eingreift in die natürliche Entwicklung eines Volkes, um die Volksstärke künstlich zu steigern. Auch danach, wo er/sie selber Tricks und Maßnahmen ergreift, die nicht dem Wohl des Bien, sondern der eigenen Kasse dienen. „Wir wollen viel Honig ernten“ ist bei mir immer noch nicht die erste Prämisse. Es geht mir vor allem um das Wohl der Bienen und darum, ihren Bestand zu halten. Über jedes Glas Honig, das dabei dann für uns abfällt, freue ich mich sehr.

Daher an alle Bienenfreunde: Schlagt nicht aufeinander ein. Hört einander zu, schaut hin, freut Euch an der Arbeitsweise der anderen, lernt dazu und akzeptiert einander. Genauso habe ich es als Bienenkistenimker in meinem Imkerverein Uetersen und Umgebung erfahren – offen, tolerant und zugewandt. Dann bleibt auch so ein Bienenkistenimker wie ich mit Herz und Seele bei der Stange – pardon, bei der Wabe.

Andreas-M. Petersen

Geerntet wird nur im Juli – hier die Ernte aus einer Kiste

Geerntet wird nur im Juli – hier die Ernte aus einer Kiste

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Quellen:

(1) Alfred Schade, „‚Die Bienenkiste‘ naturnah und geeignet für Neuimker?“, in: DNB 07/2017, S. 284f.
(2) unter anderem in „Bienendemokratie“
(3) mehr zu 150 Jahre Honigschleuder:  http://www.fhruschka.cz/de/Medomet.aspx
(4) www.bienen-becker.de
(5) In den Monatsbeiträgen der Imkerzeitung 2015? Ich muss die Quelle leider nachliefern.

3 Kommentare

  1. Alfred Schade

    26. August 2017 at 11:04

    Guten Tag,
    Nun will ich kurz auf diesen Artikel antworten.
    Wenn Sie so einen Artikel „online“ stellen dann bitte auch den Artikel auf den sich dieser bezieht. Ein Hinweis auf die Erscheinung in einer Fachzeitschrift die nur eine begrenzte Anzahl Leser hat genügt da nicht.
    Am Ende dieses langatmigen Beitrages kommt es dann doch zu Tage: Herr Petersen ist bei der Bienenhaltung mit Zargen angekommen, mit Bienenfluchten zur Honigernte und allem was dann dazu gehört.
    So kinderleicht ist die Bienenkiste wohl doch nicht wie Herr Petersen glauben machen möchte.
    Viele konventionelle Imker, Bieneninstitute, der DIB und auch Dr. Liebig (er bezeichnet diese Art der Haltung als Tierquälerei) stehen der Bienenhaltung in Bienenboxen/Bienenkisten kritisch gegenüber…. warum denn nur?
    Mit freundlichen Grüßen,
    Alfred Schade

    • Andreas Petersen

      26. August 2017 at 19:47

      Sehr geehrter Herr Schade,
      danke für den Hinweis – im Artikel fehlt die genaue Quellenangabe Ihres Artikels. Da dies eine Vereinswebsite ist, sind wir davon ausgegangen, dass unsere Mitglieder den Artikel gelesen haben. Daher ist ein Nachdruck an dieser Stelle (abgesehen vom rechtlichen Klärungsbedarf) uns nicht sinnvoll erschienen. Unbeachtet dessen muss natürlich die Quelle korrekt angegeben werden. Dies haben wir nachgebessert.
      Andreas-M. Petersen (als Redaktionsmitglied)

  2. Der Bien hat Jahrmillionen überlebt, weil er flexibel und anpassungsfähig ist. Schade, dass so viele Imker so engstirnig darauf beharren, dass „ihre“ Betriebsweise die einzig richtige ist.
    Jedes System hat seine Vor- und Nachteile und die moderne Imkerei ist in erster Linie auf die Bedürfnisse des Imker abgestimmt. Schön ist es doch, dass der Trend dahin geht, wieder mehr mit der Natur zu arbeiten, als sie ständig zu manipulieren.
    LG Christa

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